Priyanka war eines der beeindruckenden Kinder, das wir auf unserer Reise kennenlernen durften. Genau an dem Ort, an dem heute unserer Schule steht. Was damals mit Zurückhaltung begann, hat sich zu einer starken Stimme entwickelt, die heute viele andere Mädchen inspiriert. In diesem Gespräch erzählt sie, wie sie ihren Weg gefunden hat, warum Bildung für sie so wichtig ist – und welche Träume sie für ihre Zukunft hat.
Culture clash
Indien, das Land der Gegensätze, trifft Reisende nicht einfach – es durchdringt sie. Wo andere ferne Länder als fremd, bunt oder exotisch erscheinen, stößt man hier auf eine Vielzahl an Wirklichkeiten, die nicht nur anders wahrgenommen werden, sondern grundlegend anders funktionieren. Der Culture Clash beginnt nicht mit Kühen auf der Straße oder Tempelklängen im Verkehrschaos. Er beginnt, wenn man begreift, dass sich Werte, Regeln, Selbstverständlichkeiten und soziale Beziehungen in einer vollkommen anderen Matrix bewegen. In Indien wird Nähe anders gelebt, Zeit anders empfunden, Hierarchie anders gedacht. Die Gastfreundschaft ist überwältigend, doch gleichzeitig sind Blicke, Körperkontakt oder Fragen oft irritierend direkt oder seltsam distanziert. Inmitten farbenfroher Rituale und spiritueller Tiefe lebt auch ein alltäglicher Widerspruch: Uralte Weisheit trifft auf tief verankerte soziale Ausgrenzung. Besonders deutlich wird dies, wenn man einen Blick auf die untersten Kasten wirft – Menschen, die keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder gar grundlegender Würde haben. Ihr Ausschluss ist nicht laut, sondern still, strukturell, hartnäckig und wird zu oft nicht hinterfragt. Selbst innerhalb vieler Dörfern existieren mehrere Parallelwelten: Die einen leben mit WLAN und Klimaanlage, die anderen ohne Strom, Wasser oder Rechte, während es den am stärksten benachteiligten und ausgegrenzten Stämmen und Gemeinschaften an allem fehlt. Indien ist ein Kaleidoskop der Extreme. Nicht nur zwischen Arm und Reich, sondern auch innerhalb seiner Kulturen. In einem Land, das über 20 offiziell anerkannte Sprachen und unzählige religiöse Strömungen beheimatet, scheint jeder Versuch der allgemeinen Einordnung zu scheitern. Was in einem Bundesstaat heilig ist, kann im nächsten verpönt sein. Zwischen einem IT-Ingenieur in Bangalore und einem Tagelöhner in Bihar liegen nicht nur 2.000 Kilometer, sondern Welten an Wirklichkeit.
Touch points
Dieser tiefere Culture Clash ist ein Spiegel, der Fragen aufwirft – über Gerechtigkeit, Privileg, Zugehörigkeit. Und darüber, wie viel wir eigentlich wirklich verstehen, wenn wir meinen, wir hätten vieles gesehen und erlebt. Im April 2023 reiste ich für den Verein India Child Care e.V. sowohl zu mehreren etablierten Schulen als auch eingerichteten Dorfschulen für ausgegrenzte Kinder jener marginaisierten Communities. Entlang der Route befanden sich kleinere und größere Schulen und Einrichtungen, die von unserem lokalen Partner betrieben werden. Von den jeweiligen ansässigen Ansprechpartnern wurde ich von Stations zu Station gebracht. Dies ermöglichte tiefe Einblicke und tiefe Verbindungen zu Menschen die ( in den Dörfern) noch nie einen Ausländer gesehen haben.
Deep insights
In einer der Gemeinschaften, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeiten hatten, ihren Kindern regelmäßigen Unterricht zu bieten, sprach ich mit der damals 11 Jahre alten Priyanka und lernte Ihre Geschwister und Ihren Vater kennen. Eine der Besonderheiten, die nicht nur mir auffielen, war, wie sie mir begegnete: Voller Aufgeschlossenheit, Interesse, Freude und Gastfreundlichkeit. Alle dort waren freundlich und interessiert, doch schien es, als wäre speziell sie durch die Last, die dort alle mit sich tragen müssen, nicht so gehemmt, ängstlich und zurückhaltend i ihrer gesamten Art. Ihre angenehm zugewandte und fast schon unbeschwert wirkende Art wahr deutlich sicht- und spürbar. Besonders als sie höflich aber bestimmt meinen Arm nahm und mich zu Ihrem Vater brachte um uns vorzustellen, was unter diesen Umständen etwas sehr ungewöhnliches in Indien ist. Gemeinsam mit dem Team von Prabhat, einem Zentrum für Bildung und Aktion haben wir Ende 2023 die erste gemeinsame Schule initiiert, in der jetzt Priyanka und andere Kinder aus dem Dorf und der Umgebung altersgemäßen Unterricht erhalten, der sie dazu befähigt, auch weiterführende Schulen zu besuchen und zu studieren. Etwas, das für diese Kinder nie möglich war.
Priyanka hat Ihr gesamtes bisheriges Leben, an dem Ort verbracht, den sie Ihr Dorf nennen, der jedoch ebenso eine Ansammlung weniger Unterkünfte neben einer Schnellstraße ist. Seit etwa vier Jahren nimmt sie von dort aus an weiteren ergänzenden Bildungsangeboten von Prabhat teil. Auch deshalb, weil es mit dem Unterricht in der örtlichen stattlichen Schule größte Probleme gibt.
Genau hier knüpfen auch unsere individuellen Praktikumsreisen an. Wer als Studierende:r oder Interessierte:r vor Ort mitarbeitet, begleitet Kinder wie Priyanka im Alltag, erlebt die Realität ihrer Familien und sieht, wie Bildung neue Wege öffnet. Diese Verbindung ist mehr als Beobachtung – sie verändert auch die, die kommen.
Das Interview
Etwa zwei Jahre nach dem persönlichen Treffen haben wir vorgeschlagen Priyanka in einer Videokonferenz zu interviewen. Alle waren sofort einverstanden und Joyson, einer der Mitarbeiter, der mit schon damals viel zum Kontext erklärte, brachte die Technik ins Dorf, übersetzte und erläuterte Hintergründe. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten veröffentlichen wir gekürzte Teile des Interviews, dass für alle anwesenden weitaus beeindruckender war, als vorab angenommen.
Begrüßung
Hallo zusammen. Wir führen dieses Interview auch deshalb, weil wir dich und euch gerne wieder sehen wollten. Aber auch um wieder zuzuhören, zu lernen und um die Geschichte von deinem Dorf und dir zu teilen, um das Thema bekannter zu machen und Menschen zu erreichen, die uns dabei unterstützen möchten, die Situation konkret zu verbessern.
1. Frage
Erzähle ein bisschen von Dir. Wer und wie alt Du bist; mit wem Du wohnst und was Du so machst.
Priyanka
Mein Name is Priyanka, ich bin 13 Jahre alt. Ich habe zwei Brüder, eine Schwester und wir leben mit unseren beiden Eltern zusammen. Meine Schule ist etwa 3km von unserem Dorf entfernt. Ich möchte Ärztin werden, weil Gesundheit und die Fragen der Versorgung so ein großes Thema für unsere Community sind. Ich liebe es zu tanzen und zu singen. Vor allem die lokalen Tänze und Lieder, die hier eine sehr große kulturelle Bedeutung haben. Außerdem male und koche ich sehr gerne.
Remark from Joyson
Die Kinder können dort seit Kurzem auf einer Bühne auftreten. Das gibt ihnen auch im übertragenen Sinne eine Plattform. Etwas vergleichbares war ihnen als Mitglieder einer ausgegrenzten Minderheit noch nie zuvor möglich. Es ist das erste Mal, dass sie solche Plattform haben, um öffentlich sichtbar zu werden und sich auszudrücken. Zudem haben Mädchen in diesem Alter hier bereits gelernt zu kochen. Priyanka kann bereits für 10-15 Personen kochen. Auch ihre Eltern konnten wir begrüßen und eine der wunderbaren handgemachten (bis zu 3m großen) Skulpturen sehen, die ihr Vater als Bildhauer selbst herstellt und bemalt. Auch daher kommen ihre Fähigkeiten bezgl. der Künste.
2. Frage
Was ist Dir für jetzt wichtig?
Priyanka
Am wichtigsten ist für mich eine sehr gute Ausbildung damit ich Ärztin werden kann. Außerdem ein eigenes Einkommen mit dem ich auch meine Familie und die Gemeinschaft als Ganzes in ihrem Vorankommen unterstützen kann. Und ich würde sehr gerne mehr von Indien und der Welt sehen.
Remark from Joyson
Auf unsere Nachfrage hin, welcher Ort in Indien für sie an erste Stelle stehen würde, nannte Sie sofort das „India Gate“ in Delhi. Joyson erklärte uns, dass für Priyanka zutrifft was leider für viele Menschen in vergleichbaren Situationen wahr ist - und teils ein Leben lang wahr bleibt: Priyanka hat sich noch nie außerhalb eines Umkreises von 50km um ihre Dorfgemeinschaft von ausgestoßenen, kastenlosen in Bihar, dem ohnehin schon ärmsten Bundesstaates Indiens bewegt.
3. Frage
Wie wurden der Besuch und unsere Begegnung von Deinem Dorf wahrgenommen?
Priyanka
Das ganze Village war, im positiven Sinne, geschockt. Nachdem sie erfuhren, dass jemand von soweit her kam, um sie zu treffen und sahen, dass sich diese Person länger mit Priyanka und Ihrem Vater unterhielt, gab es dem Thema Bildung eine neue Wichtigkeit und Bedeutung, die es vorher nicht hatte. Sie wussten um den Stellenwert an sich, doch durch den Besuch erkannten sie, dass Bildung tatsächlich auch für sie einen echten Unterschied ausmachen konnte. Das nächste Mal wollen alle dabei sein und uns treffen. Das Wissen um den letzten Besuch war bereits eine Inspiration aber ein persönliches Treffen wird nochmals einen enormen Boost erzeugen.
Remark from Joyson
Die Not hier in der Gegend ist noch immer so groß, dass manche Mädchen es einfach nicht überleben können. Sie werden teilweise noch als Bürde gesehen, weil es keine oder nur eine geringe Mitgift gibt. Seit dem Besuch werden Mädchen als Gelegenheit gesehen und auch sie selbst begreifen, dass sie alles sein und werden können – das war vorher nicht so. Nachdem auch die anderen Mädchen, ob älter oder jünger als Priyanka, Bildung für sich als wichtig ansahen, begannen Sie ebenfalls zu lernen. Zwar hat Priyanka auch vorher bereits in Prabhat gelernt, die Begegnung im April 2023 hat jedoch so zur Motivation beigetragen, dass jetzt auch alle anderen in der Schule von Prabhat lernen wollen und beim nächsten Besuch auch Teil davon sein möchten. Auch weil es in der Schule der Regierung nur eine Mahlzeit am Tag gibt - aber keinen Unterricht. Dieser eine Besuch hatte sehr große Welleneffekte. An dem Tag des Interviews, als das Team von Prabhat eintraf, hat Priyanka in ihrer freien Zeit jüngere Kinder unterrichtet, während im Nebenraum der Lehrer anderen Unterricht hielt.
4. Frage
Was möchtest Du kurzfristig erreichen?
Priyanka
Zuerst sehr gut bei dem bevorstehenden, wichtigen Examen abschneiden. Es ist ein wegweisendes Examen, dass in Indien alle Schüler der neunten Klasse absolvieren müssen. Dabei ist es mir wichtig, die Anerkennung, die ich dafür erhalten werde, an meine Eltern weiterzugeben. Und den Weg weiterzugehen, der so möglich wird, um später studieren zu können und Ärztin zu werden. Und einen Weg finden, um Bücher für alle Schüler hier besorgen zu können. Denn die brauchen wir ganz dringend, nach Abschluss der neunte Klasse weiter lernen zu können.
5. Frage
Was sollten wir aus Deiner Sicht verbessern?
Priyanka
Der Platz, an dem wir lernen ist offen. Es gibt einen kleinen Raum im Inneren, wo auch gekocht wird und einen kleinen Bereich. Großartig wäre es, einen Bereich zu haben, in dem wir Kinder richtig lernen und studieren könnten.
6. Frage
Worin könnte ein Vorteil deiner schwierigen Geschichte und Ausgangssituation liegen?
Priyanka
Was ich den Menschen schon jetzt vermitteln kann, ist: Lass die Situation so sein, wie sie ist. Egal, wie schlimm und traurig sie ist. Wenn ein Mädchen wie ich lernen und studieren kann, sollten wir uns nicht auf das Problem oder die Umstände konzentrieren, sondern immer nur das Ziel vor Augen haben, es verfolgen und erreichen.
7. Frage
Wie sieht Du das landwirtschaftliche Projekt, mit dem wir Imkerei- Trainings und Bienenstöcke in die Schulen bringen und gemeinsam mit Euch Biohonig herstellen, die ihr auch verkaufen könnt?
Priyanka
ich denke das wäre eine gute Gelegenheit für die ganze Gegend hier denn die Arbeitsmigration ist hier sehr hoch und das Projekt kann sofort zu Beschäftigung und Einkommen führen, ohne dass die Menschen ihr zu Hause verlassen müssen und von anderen abhängig sind die sie oft nur ausbeuten. Es kann außerdem auch die Gesundheit der Kinder und der Gemeinschaft verbessern. Sowohl physisch als auch mental durch die Betätigung.
Remark from Sumanth
Die [L]earn-Initiative von India Child Care e.V. und bee active aus Kolkata gibt Kindern, Jugendlichen und Studenten die Möglichkeit, in Kooperation mit ihren Schulen einen Blick hinter die Kulissen der Imkerei zu werfen. Die Informationen werden auf unterhaltsame und altersgerechte Weise live vermittelt. Bildungseinrichtungen, Schüler und ihre Familien können dabei unterstützt werden, nachhaltige Schulprojekte mit Bienenstöcken und Bio-Honig aufzubauen sowie Zukunftsperspektiven und Verdienstmöglichkeiten zu erkunden. Diese Unterstützung richtet sich insbesondere an Einrichtungen, mit denen wir neue Schulen und Projekte aufbauen, um die Lebensbedingungen von Kindern und Gemeinden zu verbessern.
8. Frage
Wie siehst Du und sehr Ihr Euere Beziehung und Verbindung zu dem Menschen von Prabhat?
Priyanka
Zuallererst sind sie Familie für uns. Wenn sie zu uns kommen, fühlt es sich an, wie wenn wir mit unserer Familie zusammen sind. Ohne sie wären wir auf unserem Weg verloren, aber sie helfen uns nicht nur dabei unseren Weg finden und gehen zu können, sie ermöglichen es, dass es für uns überhaupt erst einen Weg geben kann.
Remark from Joyson
Das Leben der Kinder von ausgestoßenen Gemeinden unterschiedet sich grundlegend vom Leben anderer Kinder. Auch von dem Leben anderer Kinder, denen es ebenfalls nicht gut geht. Die Kinder hier leiden unter entwürdigenden und entmenschlichenden Zuständen. Sie können nicht mit anderen laufen. Wo andere versorgt werden, erhalten sie kein Glas Wasser. Keiner besucht sie und sie können nicht in andere Häuser gehen. Seit vielen Genrationen geht das so. Was das alles mit einem Kind und später mit den Erwachsenen Menschen macht ist unvorstellbar.
Sumanth
Ich denke die Menschen werden von dir und den Leuten, die um dich sind, noch sehr viel lernen werden. Sie wissen es nur noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr auf gewisse Weise Pioniere seid und Vorbilder über viele Grenzen hinweg sein werdet. Sowohl geographische als auch soziale, gesellschaftliche und möglicherweise religiöse Grenzen. Manche können das nicht sehen, wollen und werden es vielleicht auch nicht. Aber für viele wird es irgendwann so kommen, dass sie erst durch Euch verstehen werden, was hier, für Menschen wir Euch, eigentlich nicht in Ordnung war - und aktuell ist. Indien ist ein wunderbares Land, hat aber eben auch noch diese schrecklichen Seiten. Aber Ihr könnt das verändern. Und ihr tut es bereits.
Naming
Der Name Prabhat stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Morgendämmerung“ oder „Tagesanbruch“. Er setzt sich aus den Wörtern „Prabha“ (Licht) und „At“ (entstehen) zusammen, was sinngemäß „das Entstehen des Lichts“ bedeutet. Im Kontext von Prabhat, der Einrichtung in Sakri, handelt es sich um ein soziales Aktionszentrum, das sich für die Bildung und soziale Stärkung marginalisierten Gemeinschaften, insbesondere der Musahar, einer benachteiligten Kaste engagiert. Der Name „Prabhat“ spiegelt hier die Vision wider, durch Bildung und Gemeinschaftsarbeit einen „Neuanfang“ und „Aufbruch“ für diese Menschen zu ermöglichen. Der Vorname unserer 13 jährigen Interview- Partnerin, Priyanka, bedeutet "liebenswürdig, freundlich, glücklich" oder "die Hübsche". Er leitet sich von dem Sanskritwort "Priyankara" ab. Im Allgemeinen wird der Name auch mit "geliebt" oder "liebenswürdig" in Verbindung gebracht. Zudem hat neben Priyanka selbst, Joyson und mir eine weitere Person aus Thailand an dem Interview teilgenommen. Auch sie trägt den Begriff Phonprabha in ihrem Namen, was sinngemäß übersetzt werden könnte mit: „Die, die Licht bringt als Segen“. Unter anderen unterstützt sie uns als eine von zwei interkulturellen Expertinnen für Südostasien und Indien mit Ihrem Wissen über die Entstehung und Entwicklung alte Schriften und Kulturen, die sie als spezialisierte Archäologin erworben hat. Ihre Austausch war sehr interessant kann ein zukünftiges Thema für sich sein. Es ist bemerkenswert, dass ein auch dem Namen nach liebenswürdiges, freundliches Mädchen, das vermeintlich keine Chancen hat, durch Menschen, die Hoffnung und Zukunftsperspektiven schaffen und die sie selbst als Familie bezeichnet, schon jetzt eine solche Inspiration für viele ist.
Connected dots
Priyankas Geschichte steht stellvertretend für etwas Größeres: einen Wandel, der leise beginnt – in einem abgelegenen Dorf, durch ein Mädchen, das Fragen stellt, weiterdenkt und an Möglichkeiten glaubt, wo vorher kaum jemand welche sah. Es sind Kinder wie sie, die zeigen, dass Veränderung nicht immer von oben kommen muss. Sie inspirieren nicht nur ihre Familien, sondern auch Lehrer, Sozialarbeiter und selbst jene, die sich bislang außerhalb solcher Realitäten bewegten. Was hier sichtbar wird, ist mehr als individuelle Resilienz. Es ist ein möglicher Wendepunkt, der sich von Dorf zu Dorf ausbreiten kann. Schritt für Schritt verändert sich so der Blick auf Bildung, auf Herkunft, auf gesellschaftliche Zugehörigkeit. Wenn dieser Blick sich weitet, kann etwas entstehen, das über einzelne Dörfer hinausreicht: ein neues Selbstverständnis, das nicht mehr an Kasten, Klassen oder Grenzen haltmacht, sondern Menschen verbindet, die an die Kraft von Würde, Gemeinschaft und Zukunft glauben. Was heute möglich wird, ist nicht weniger als der Beginn einer nachhaltigen Transformation – getragen von Kindern, unterstützt von Menschen von überall. Denn Bildung endet nicht im Klassenraum. Sie beginnt dort, wo Gemeinschaft und Zukunft entsteht: An Begegnungspunkten, die neue Verbindungen ermöglichen. Dort ist Wandel möglich. Er beginnt im Kleinen – in einer Geste, in einem Blick, in einem Gespräch. Und manchmal braucht es an vorderster Front nur ein Mädchen, das mutig genug ist, zu träumen – damit ein ganzes Land beginnt, sich neu zu sehen.
Damit dieser Wandel nicht vereinzelt bleibt, braucht es Verlässlichkeit: Menschen, die sich finanziell oder partnerschaftlich engagieren und dadurch neue Schulen, Ausbildungsplätze oder auch unsere [L]earn-Initiative mit der Bio-Imkerei möglich machen. Jede Form der Unterstützung – ob Spende, Sponsoring oder langfristige Partnerschaft – wird hier unmittelbar sichtbar und wirksam.
Creating change
Wer das Projekt unterstützen möchte – ob durch eine Praktikumsreise, eine Spende oder Sponsoring – kann direkt mit uns in Kontakt treten. Jeder Beitrag wirkt doppelt: für die Kinder und für die Zukunft der ganzen Dorfgemeinschaft.
Indien, das Land der Gegensätze, trifft Reisende nicht einfach – es durchdringt sie. Wo andere ferne Länder als fremd, bunt oder exotisch erscheinen, stößt man hier auf eine Vielzahl an Wirklichkeiten, die nicht nur anders wahrgenommen werden, sondern grundlegend anders funktionieren. Der Culture Clash beginnt nicht mit Kühen auf der Straße oder Tempelklängen im Verkehrschaos. Er beginnt, wenn man begreift, dass sich Werte, Regeln, Selbstverständlichkeiten und soziale Beziehungen in einer vollkommen anderen Matrix bewegen. In Indien wird Nähe anders gelebt, Zeit anders empfunden, Hierarchie anders gedacht. Die Gastfreundschaft ist überwältigend, doch gleichzeitig sind Blicke, Körperkontakt oder Fragen oft irritierend direkt oder seltsam distanziert. Inmitten farbenfroher Rituale und spiritueller Tiefe lebt auch ein alltäglicher Widerspruch: Uralte Weisheit trifft auf tief verankerte soziale Ausgrenzung. Besonders deutlich wird dies, wenn man einen Blick auf die untersten Kasten wirft – Menschen, die keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder gar grundlegender Würde haben. Ihr Ausschluss ist nicht laut, sondern still, strukturell, hartnäckig und wird zu oft nicht hinterfragt. Selbst innerhalb vieler Dörfern existieren mehrere Parallelwelten: Die einen leben mit WLAN und Klimaanlage, die anderen ohne Strom, Wasser oder Rechte, während es den am stärksten benachteiligten und ausgegrenzten Stämmen und Gemeinschaften an allem fehlt. Indien ist ein Kaleidoskop der Extreme. Nicht nur zwischen Arm und Reich, sondern auch innerhalb seiner Kulturen. In einem Land, das über 20 offiziell anerkannte Sprachen und unzählige religiöse Strömungen beheimatet, scheint jeder Versuch der allgemeinen Einordnung zu scheitern. Was in einem Bundesstaat heilig ist, kann im nächsten verpönt sein. Zwischen einem IT-Ingenieur in Bangalore und einem Tagelöhner in Bihar liegen nicht nur 2.000 Kilometer, sondern Welten an Wirklichkeit.
Touch points
Dieser tiefere Culture Clash ist ein Spiegel, der Fragen aufwirft – über Gerechtigkeit, Privileg, Zugehörigkeit. Und darüber, wie viel wir eigentlich wirklich verstehen, wenn wir meinen, wir hätten vieles gesehen und erlebt. Im April 2023 reiste ich für den Verein India Child Care e.V. sowohl zu mehreren etablierten Schulen als auch eingerichteten Dorfschulen für ausgegrenzte Kinder jener marginaisierten Communities. Entlang der Route befanden sich kleinere und größere Schulen und Einrichtungen, die von unserem lokalen Partner betrieben werden. Von den jeweiligen ansässigen Ansprechpartnern wurde ich von Stations zu Station gebracht. Dies ermöglichte tiefe Einblicke und tiefe Verbindungen zu Menschen die ( in den Dörfern) noch nie einen Ausländer gesehen haben.
Deep insights
In einer der Gemeinschaften, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeiten hatten, ihren Kindern regelmäßigen Unterricht zu bieten, sprach ich mit der damals 11 Jahre alten Priyanka und lernte Ihre Geschwister und Ihren Vater kennen. Eine der Besonderheiten, die nicht nur mir auffielen, war, wie sie mir begegnete: Voller Aufgeschlossenheit, Interesse, Freude und Gastfreundlichkeit. Alle dort waren freundlich und interessiert, doch schien es, als wäre speziell sie durch die Last, die dort alle mit sich tragen müssen, nicht so gehemmt, ängstlich und zurückhaltend i ihrer gesamten Art. Ihre angenehm zugewandte und fast schon unbeschwert wirkende Art wahr deutlich sicht- und spürbar. Besonders als sie höflich aber bestimmt meinen Arm nahm und mich zu Ihrem Vater brachte um uns vorzustellen, was unter diesen Umständen etwas sehr ungewöhnliches in Indien ist. Gemeinsam mit dem Team von Prabhat, einem Zentrum für Bildung und Aktion haben wir Ende 2023 die erste gemeinsame Schule initiiert, in der jetzt Priyanka und andere Kinder aus dem Dorf und der Umgebung altersgemäßen Unterricht erhalten, der sie dazu befähigt, auch weiterführende Schulen zu besuchen und zu studieren. Etwas, das für diese Kinder nie möglich war.
Priyanka hat Ihr gesamtes bisheriges Leben, an dem Ort verbracht, den sie Ihr Dorf nennen, der jedoch ebenso eine Ansammlung weniger Unterkünfte neben einer Schnellstraße ist. Seit etwa vier Jahren nimmt sie von dort aus an weiteren ergänzenden Bildungsangeboten von Prabhat teil. Auch deshalb, weil es mit dem Unterricht in der örtlichen stattlichen Schule größte Probleme gibt.
Genau hier knüpfen auch unsere individuellen Praktikumsreisen an. Wer als Studierende:r oder Interessierte:r vor Ort mitarbeitet, begleitet Kinder wie Priyanka im Alltag, erlebt die Realität ihrer Familien und sieht, wie Bildung neue Wege öffnet. Diese Verbindung ist mehr als Beobachtung – sie verändert auch die, die kommen.
Das Interview
Etwa zwei Jahre nach dem persönlichen Treffen haben wir vorgeschlagen Priyanka in einer Videokonferenz zu interviewen. Alle waren sofort einverstanden und Joyson, einer der Mitarbeiter, der mit schon damals viel zum Kontext erklärte, brachte die Technik ins Dorf, übersetzte und erläuterte Hintergründe. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten veröffentlichen wir gekürzte Teile des Interviews, dass für alle anwesenden weitaus beeindruckender war, als vorab angenommen.
Begrüßung
Hallo zusammen. Wir führen dieses Interview auch deshalb, weil wir dich und euch gerne wieder sehen wollten. Aber auch um wieder zuzuhören, zu lernen und um die Geschichte von deinem Dorf und dir zu teilen, um das Thema bekannter zu machen und Menschen zu erreichen, die uns dabei unterstützen möchten, die Situation konkret zu verbessern.
1. Frage
Erzähle ein bisschen von Dir. Wer und wie alt Du bist; mit wem Du wohnst und was Du so machst.
Priyanka
Mein Name is Priyanka, ich bin 13 Jahre alt. Ich habe zwei Brüder, eine Schwester und wir leben mit unseren beiden Eltern zusammen. Meine Schule ist etwa 3km von unserem Dorf entfernt. Ich möchte Ärztin werden, weil Gesundheit und die Fragen der Versorgung so ein großes Thema für unsere Community sind. Ich liebe es zu tanzen und zu singen. Vor allem die lokalen Tänze und Lieder, die hier eine sehr große kulturelle Bedeutung haben. Außerdem male und koche ich sehr gerne.
Remark from Joyson
Die Kinder können dort seit Kurzem auf einer Bühne auftreten. Das gibt ihnen auch im übertragenen Sinne eine Plattform. Etwas vergleichbares war ihnen als Mitglieder einer ausgegrenzten Minderheit noch nie zuvor möglich. Es ist das erste Mal, dass sie solche Plattform haben, um öffentlich sichtbar zu werden und sich auszudrücken. Zudem haben Mädchen in diesem Alter hier bereits gelernt zu kochen. Priyanka kann bereits für 10-15 Personen kochen. Auch ihre Eltern konnten wir begrüßen und eine der wunderbaren handgemachten (bis zu 3m großen) Skulpturen sehen, die ihr Vater als Bildhauer selbst herstellt und bemalt. Auch daher kommen ihre Fähigkeiten bezgl. der Künste.
2. Frage
Was ist Dir für jetzt wichtig?
Priyanka
Am wichtigsten ist für mich eine sehr gute Ausbildung damit ich Ärztin werden kann. Außerdem ein eigenes Einkommen mit dem ich auch meine Familie und die Gemeinschaft als Ganzes in ihrem Vorankommen unterstützen kann. Und ich würde sehr gerne mehr von Indien und der Welt sehen.
Remark from Joyson
Auf unsere Nachfrage hin, welcher Ort in Indien für sie an erste Stelle stehen würde, nannte Sie sofort das „India Gate“ in Delhi. Joyson erklärte uns, dass für Priyanka zutrifft was leider für viele Menschen in vergleichbaren Situationen wahr ist - und teils ein Leben lang wahr bleibt: Priyanka hat sich noch nie außerhalb eines Umkreises von 50km um ihre Dorfgemeinschaft von ausgestoßenen, kastenlosen in Bihar, dem ohnehin schon ärmsten Bundesstaates Indiens bewegt.
3. Frage
Wie wurden der Besuch und unsere Begegnung von Deinem Dorf wahrgenommen?
Priyanka
Das ganze Village war, im positiven Sinne, geschockt. Nachdem sie erfuhren, dass jemand von soweit her kam, um sie zu treffen und sahen, dass sich diese Person länger mit Priyanka und Ihrem Vater unterhielt, gab es dem Thema Bildung eine neue Wichtigkeit und Bedeutung, die es vorher nicht hatte. Sie wussten um den Stellenwert an sich, doch durch den Besuch erkannten sie, dass Bildung tatsächlich auch für sie einen echten Unterschied ausmachen konnte. Das nächste Mal wollen alle dabei sein und uns treffen. Das Wissen um den letzten Besuch war bereits eine Inspiration aber ein persönliches Treffen wird nochmals einen enormen Boost erzeugen.
Remark from Joyson
Die Not hier in der Gegend ist noch immer so groß, dass manche Mädchen es einfach nicht überleben können. Sie werden teilweise noch als Bürde gesehen, weil es keine oder nur eine geringe Mitgift gibt. Seit dem Besuch werden Mädchen als Gelegenheit gesehen und auch sie selbst begreifen, dass sie alles sein und werden können – das war vorher nicht so. Nachdem auch die anderen Mädchen, ob älter oder jünger als Priyanka, Bildung für sich als wichtig ansahen, begannen Sie ebenfalls zu lernen. Zwar hat Priyanka auch vorher bereits in Prabhat gelernt, die Begegnung im April 2023 hat jedoch so zur Motivation beigetragen, dass jetzt auch alle anderen in der Schule von Prabhat lernen wollen und beim nächsten Besuch auch Teil davon sein möchten. Auch weil es in der Schule der Regierung nur eine Mahlzeit am Tag gibt - aber keinen Unterricht. Dieser eine Besuch hatte sehr große Welleneffekte. An dem Tag des Interviews, als das Team von Prabhat eintraf, hat Priyanka in ihrer freien Zeit jüngere Kinder unterrichtet, während im Nebenraum der Lehrer anderen Unterricht hielt.
4. Frage
Was möchtest Du kurzfristig erreichen?
Priyanka
Zuerst sehr gut bei dem bevorstehenden, wichtigen Examen abschneiden. Es ist ein wegweisendes Examen, dass in Indien alle Schüler der neunten Klasse absolvieren müssen. Dabei ist es mir wichtig, die Anerkennung, die ich dafür erhalten werde, an meine Eltern weiterzugeben. Und den Weg weiterzugehen, der so möglich wird, um später studieren zu können und Ärztin zu werden. Und einen Weg finden, um Bücher für alle Schüler hier besorgen zu können. Denn die brauchen wir ganz dringend, nach Abschluss der neunte Klasse weiter lernen zu können.
5. Frage
Was sollten wir aus Deiner Sicht verbessern?
Priyanka
Der Platz, an dem wir lernen ist offen. Es gibt einen kleinen Raum im Inneren, wo auch gekocht wird und einen kleinen Bereich. Großartig wäre es, einen Bereich zu haben, in dem wir Kinder richtig lernen und studieren könnten.
6. Frage
Worin könnte ein Vorteil deiner schwierigen Geschichte und Ausgangssituation liegen?
Priyanka
Was ich den Menschen schon jetzt vermitteln kann, ist: Lass die Situation so sein, wie sie ist. Egal, wie schlimm und traurig sie ist. Wenn ein Mädchen wie ich lernen und studieren kann, sollten wir uns nicht auf das Problem oder die Umstände konzentrieren, sondern immer nur das Ziel vor Augen haben, es verfolgen und erreichen.
7. Frage
Wie sieht Du das landwirtschaftliche Projekt, mit dem wir Imkerei- Trainings und Bienenstöcke in die Schulen bringen und gemeinsam mit Euch Biohonig herstellen, die ihr auch verkaufen könnt?
Priyanka
ich denke das wäre eine gute Gelegenheit für die ganze Gegend hier denn die Arbeitsmigration ist hier sehr hoch und das Projekt kann sofort zu Beschäftigung und Einkommen führen, ohne dass die Menschen ihr zu Hause verlassen müssen und von anderen abhängig sind die sie oft nur ausbeuten. Es kann außerdem auch die Gesundheit der Kinder und der Gemeinschaft verbessern. Sowohl physisch als auch mental durch die Betätigung.
Remark from Sumanth
Die [L]earn-Initiative von India Child Care e.V. und bee active aus Kolkata gibt Kindern, Jugendlichen und Studenten die Möglichkeit, in Kooperation mit ihren Schulen einen Blick hinter die Kulissen der Imkerei zu werfen. Die Informationen werden auf unterhaltsame und altersgerechte Weise live vermittelt. Bildungseinrichtungen, Schüler und ihre Familien können dabei unterstützt werden, nachhaltige Schulprojekte mit Bienenstöcken und Bio-Honig aufzubauen sowie Zukunftsperspektiven und Verdienstmöglichkeiten zu erkunden. Diese Unterstützung richtet sich insbesondere an Einrichtungen, mit denen wir neue Schulen und Projekte aufbauen, um die Lebensbedingungen von Kindern und Gemeinden zu verbessern.
8. Frage
Wie siehst Du und sehr Ihr Euere Beziehung und Verbindung zu dem Menschen von Prabhat?
Priyanka
Zuallererst sind sie Familie für uns. Wenn sie zu uns kommen, fühlt es sich an, wie wenn wir mit unserer Familie zusammen sind. Ohne sie wären wir auf unserem Weg verloren, aber sie helfen uns nicht nur dabei unseren Weg finden und gehen zu können, sie ermöglichen es, dass es für uns überhaupt erst einen Weg geben kann.
Remark from Joyson
Das Leben der Kinder von ausgestoßenen Gemeinden unterschiedet sich grundlegend vom Leben anderer Kinder. Auch von dem Leben anderer Kinder, denen es ebenfalls nicht gut geht. Die Kinder hier leiden unter entwürdigenden und entmenschlichenden Zuständen. Sie können nicht mit anderen laufen. Wo andere versorgt werden, erhalten sie kein Glas Wasser. Keiner besucht sie und sie können nicht in andere Häuser gehen. Seit vielen Genrationen geht das so. Was das alles mit einem Kind und später mit den Erwachsenen Menschen macht ist unvorstellbar.
Sumanth
Ich denke die Menschen werden von dir und den Leuten, die um dich sind, noch sehr viel lernen werden. Sie wissen es nur noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr auf gewisse Weise Pioniere seid und Vorbilder über viele Grenzen hinweg sein werdet. Sowohl geographische als auch soziale, gesellschaftliche und möglicherweise religiöse Grenzen. Manche können das nicht sehen, wollen und werden es vielleicht auch nicht. Aber für viele wird es irgendwann so kommen, dass sie erst durch Euch verstehen werden, was hier, für Menschen wir Euch, eigentlich nicht in Ordnung war - und aktuell ist. Indien ist ein wunderbares Land, hat aber eben auch noch diese schrecklichen Seiten. Aber Ihr könnt das verändern. Und ihr tut es bereits.
Naming
Der Name Prabhat stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Morgendämmerung“ oder „Tagesanbruch“. Er setzt sich aus den Wörtern „Prabha“ (Licht) und „At“ (entstehen) zusammen, was sinngemäß „das Entstehen des Lichts“ bedeutet. Im Kontext von Prabhat, der Einrichtung in Sakri, handelt es sich um ein soziales Aktionszentrum, das sich für die Bildung und soziale Stärkung marginalisierten Gemeinschaften, insbesondere der Musahar, einer benachteiligten Kaste engagiert. Der Name „Prabhat“ spiegelt hier die Vision wider, durch Bildung und Gemeinschaftsarbeit einen „Neuanfang“ und „Aufbruch“ für diese Menschen zu ermöglichen. Der Vorname unserer 13 jährigen Interview- Partnerin, Priyanka, bedeutet "liebenswürdig, freundlich, glücklich" oder "die Hübsche". Er leitet sich von dem Sanskritwort "Priyankara" ab. Im Allgemeinen wird der Name auch mit "geliebt" oder "liebenswürdig" in Verbindung gebracht. Zudem hat neben Priyanka selbst, Joyson und mir eine weitere Person aus Thailand an dem Interview teilgenommen. Auch sie trägt den Begriff Phonprabha in ihrem Namen, was sinngemäß übersetzt werden könnte mit: „Die, die Licht bringt als Segen“. Unter anderen unterstützt sie uns als eine von zwei interkulturellen Expertinnen für Südostasien und Indien mit Ihrem Wissen über die Entstehung und Entwicklung alte Schriften und Kulturen, die sie als spezialisierte Archäologin erworben hat. Ihre Austausch war sehr interessant kann ein zukünftiges Thema für sich sein. Es ist bemerkenswert, dass ein auch dem Namen nach liebenswürdiges, freundliches Mädchen, das vermeintlich keine Chancen hat, durch Menschen, die Hoffnung und Zukunftsperspektiven schaffen und die sie selbst als Familie bezeichnet, schon jetzt eine solche Inspiration für viele ist.
Connected dots
Priyankas Geschichte steht stellvertretend für etwas Größeres: einen Wandel, der leise beginnt – in einem abgelegenen Dorf, durch ein Mädchen, das Fragen stellt, weiterdenkt und an Möglichkeiten glaubt, wo vorher kaum jemand welche sah. Es sind Kinder wie sie, die zeigen, dass Veränderung nicht immer von oben kommen muss. Sie inspirieren nicht nur ihre Familien, sondern auch Lehrer, Sozialarbeiter und selbst jene, die sich bislang außerhalb solcher Realitäten bewegten. Was hier sichtbar wird, ist mehr als individuelle Resilienz. Es ist ein möglicher Wendepunkt, der sich von Dorf zu Dorf ausbreiten kann. Schritt für Schritt verändert sich so der Blick auf Bildung, auf Herkunft, auf gesellschaftliche Zugehörigkeit. Wenn dieser Blick sich weitet, kann etwas entstehen, das über einzelne Dörfer hinausreicht: ein neues Selbstverständnis, das nicht mehr an Kasten, Klassen oder Grenzen haltmacht, sondern Menschen verbindet, die an die Kraft von Würde, Gemeinschaft und Zukunft glauben. Was heute möglich wird, ist nicht weniger als der Beginn einer nachhaltigen Transformation – getragen von Kindern, unterstützt von Menschen von überall. Denn Bildung endet nicht im Klassenraum. Sie beginnt dort, wo Gemeinschaft und Zukunft entsteht: An Begegnungspunkten, die neue Verbindungen ermöglichen. Dort ist Wandel möglich. Er beginnt im Kleinen – in einer Geste, in einem Blick, in einem Gespräch. Und manchmal braucht es an vorderster Front nur ein Mädchen, das mutig genug ist, zu träumen – damit ein ganzes Land beginnt, sich neu zu sehen.
Damit dieser Wandel nicht vereinzelt bleibt, braucht es Verlässlichkeit: Menschen, die sich finanziell oder partnerschaftlich engagieren und dadurch neue Schulen, Ausbildungsplätze oder auch unsere [L]earn-Initiative mit der Bio-Imkerei möglich machen. Jede Form der Unterstützung – ob Spende, Sponsoring oder langfristige Partnerschaft – wird hier unmittelbar sichtbar und wirksam.
Creating change
Wer das Projekt unterstützen möchte – ob durch eine Praktikumsreise, eine Spende oder Sponsoring – kann direkt mit uns in Kontakt treten. Jeder Beitrag wirkt doppelt: für die Kinder und für die Zukunft der ganzen Dorfgemeinschaft.